Kennst du das auch? Im Dezember fängt es überall an: In Magazinen und auf Social Media überschlagen sich alle mit ihren Zielen für das neue Jahr, und irgendwie hast du das Gefühl, du müsstest jetzt auch eine Liste machen. Mehr Sport, kein Alkohol, weniger Zucker.
Bei mir wurde das Thema nach meiner Krebserkrankung noch komplizierter. Plötzlich war da ein riesiger Druck, gesünder zu leben. Sonst bin ich es womöglich selber schuld, wenn ich wieder krank werde. Was folgte waren viele Vorsätze und Regeln und viel schlechtes Gewissen. Und ehrlich gesagt: Das hat mir überhaupt nicht gutgetan.
Vielleicht kennst du diesen Druck auch – aus anderen Gründen. Nach einem Burnout. Wenn der Körper Warnsignale sendet. Oder einfach, weil du spürst: So kann es nicht weitergehen.
Heute gehe ich anders an Veränderung heran. Nicht mit Verzicht und strengen Regeln, sondern mit Micro Habits – kleinen Gewohnheiten, die sich leicht anfühlen und trotzdem viel verändern.
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Warum große Vorsätze oft scheitern
Wir kennen das alle: Am 1. Januar starten wir hochmotiviert. Jeden Morgen 30 Minuten Yoga, dreimal pro Woche ins Fitnessstudio, komplett zuckerfrei leben. Und nach zwei, drei Wochen? Alles wieder beim Alten. Dann kommt das schlechte Gewissen: „Ich schaff es einfach nicht. Ich bin zu undiszipliniert.“
Aber weißt du was? Das Problem sind nicht wir. Das Problem ist der Ansatz.
Die Zahlen sprechen für sich: Studien zeigen, dass etwa 80 % aller Neujahrsvorsätze bis Ende Februar bereits gescheitert sind. Und nur etwa 8 % der Menschen erreichen ihre gesteckten Ziele tatsächlich. Warum? Weil große Vorsätze oft radikale Veränderung, viel Willenskraft und Verzicht bedeuten.
Bei mir war das genauso. Mein Vorsatz, jeden Morgen 30 Minuten Yoga zu machen, scheiterte zuverlässig. Das Ergebnis: Ich machte gar nichts – und fühlte mich schlecht dabei.
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Was in deinem Gehirn passiert, wenn du Gewohnheiten ändern willst
Unser Gehirn ist ein Gewohnheitstier – im wahrsten Sinne des Wortes. Es liebt Routine, weil die wenig Energie kostet. Alles, was automatisch abläuft, spart Kraft für wichtigere Entscheidungen.
Wenn du eine neue Gewohnheit etablieren möchtest, muss dein Gehirn neue neuronale Verbindungen aufbauen. Das kostet anfangs Energie und Aufmerksamkeit. Deshalb fühlen sich neue Routinen so anstrengend an – und deshalb fallen wir so schnell in alte Muster zurück.
Die gute Nachricht: Forschungen zeigen, dass es im Schnitt 66 Tage dauert, bis eine neue Gewohnheit automatisiert ist. Nicht 21 Tage, wie oft behauptet wird. Aber: Je kleiner die Gewohnheit, desto schneller und leichter bildet sich die neue neuronale Verbindung.
Genau hier kommen Micro Habits ins Spiel. Sie sind so klein, dass dein Gehirn keinen großen Widerstand leistet. Du überlistest sozusagen dein „Gewohnheitstier“ – mit Freundlichkeit statt Zwang.
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Vom Verzicht zur Selbstliebe: Mein Wendepunkt
Irgendwann habe ich verstanden: Veränderung funktioniert bei mir nicht durch Druck, sondern durch Selbstliebe. Ich tue Dinge FÜR mich, nicht gegen mich. Ich koche etwas Gesundes, weil ich meinen Körper nähren möchte. Ich bewege mich, weil es mir guttut. Und gleichzeitig bin ich nicht mehr so streng mit mir. Wenn mich etwas glücklich macht – eine Tasse heiße Schokolade, ein entspannter Abend auf dem Sofa –, dann ist das auch gut für meine Gesundheit.
Diese innere Haltung hat alles verändert. Plötzlich fühlten sich kleine Schritte nicht mehr nach „zu wenig“ an, sondern nach „genau richtig“.
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Was sind Micro Habits – und warum funktionieren sie?
Micro Habits sind winzige Gewohnheiten, die so klein sind, dass du sie nicht aufschieben kannst. Statt „30 Minuten Yoga“ sind es „10 Minuten Atmen und Dehnen“. Statt „komplett zuckerfrei“ ist es „Zitronenwasser am Morgen“. Statt „jeden Abend meditieren“ sind es „10 Minuten bewusstes Atmen vorm Einschlafen“.
Klingt unspektakulär? Genau das ist der Punkt.
Diese Mini-Routinen sind so machbar, dass dein Gehirn keinen Widerstand leistet. Du brauchst kaum Willenskraft. Und trotzdem – oder gerade deshalb – verändern sie mehr, als man denkt. Denn sie werden zu einem festen Teil deines Alltags. Aus „10 Minuten Atmen“ wird irgendwann ganz selbstverständlich eine Viertelstunde. Aus Zitronenwasser am Morgen wird eine kleine Morgenroutine, die dir guttut.
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Meine persönlichen Micro Habits:
- Noch im Bett nach dem Aufwachen 3 Dinge überlegen, für die ich dankbar bin.
- Kurzes Dehnen und Abklopfen nach dem Aufstehen.
- Warmes Zitronenwasser beim Brotdose machen.
- Beim Nachmittagsspaziergang mit dem Hund reflektieren, was am Tag gut gelaufen ist.
- 10-15 Minuten Meditation am Abend. Oder Einschlafmeditation.
Klappt das immer? Nein. Aber immer öfter.
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Wie ich heute mit Zielen umgehe
Ich reflektiere am Jahresende schon bewusst: Was lief gut? Was darf gehen? Wovon will ich mehr? Ich möchte meine Zukunft aktiv gestalten. Denn meine Erkrankung hat mir klargemacht, wie endlich das Leben ist. Vielleicht hast du auch schon einen solchen Moment erlebt – einen Weckruf, der dir gezeigt hat: Ich will mein Leben bewusster leben.
Was mir sehr hilft, ist ein Visionboard, auf dem ich meine Wünsche und Ziele einmal im Jahr visualisiere. Das leitet mich. Ich schaue regelmäßig drauf und spüre: Ja, das ist meine Richtung.
Gleichzeitig versuche ich, mich nicht so unter Druck zu setzen. Jeden Tag dankbar zu sein für das, was schon da ist. Ich versuche eine gute Balance zu finden zwischen Weiterentwicklung und Leben im Hier und Jetzt. Zwischen „Ich will wachsen“ und „Ich bin schon gut genug“.
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So setzt du Micro Habits erfolgreich um
Wenn du mit Micro Habits starten möchtest, helfen dir diese Schritte:
1. Frag dich: Warum will ich das eigentlich?
Was ist das Ziel dahinter? Mehr Gesundheit? Energie? Zeit für dich? Verbinde deine Gewohnheit mit einem positiven Gefühl, nicht mit Verzicht. Stell dir genau vor, wie es sich anfühlt, wenn du dein Ziel erreicht hast. Und präge dir das richtig gut ein.
2. Formuliere deine Gewohnheiten positiv
Nicht „Ich will weniger Zucker essen“, sondern „Ich möchte meinen Körper stärken und nähren.“ Unser Gehirn reagiert viel besser auf positive Formulierungen.
3. Mach es konkret und klein
Was genau machst du? Wann? Wo? Wie? Statt „mehr bewegen“ → „Jeden Morgen nach dem Zähneputzen 5 Minuten dehnen.“ Je konkreter, desto besser.
4. Koppel neue Gewohnheiten an bestehende
Das nennt sich „Habit Stacking“: „Nachdem ich meinen Kaffee gemacht habe, trinke ich ein Glas Wasser.“ So rutschen neue Routinen leichter in deinen Alltag.
5. Such dir Gleichgesinnte
Gemeinsam fällt Veränderung leichter. Such dir Menschen oder Gruppen, mit denen du dich zusammentun kannst und die dich motivieren.
6. Feiere deine Erfolge
Belohne dich! Auch für Zwischenziele und kleine Erfolge. Jede Woche, in der du deine Mini-Routine durchgezogen hast, ist ein Grund, stolz zu sein.
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Buchtipps und Podcasts zum Thema Micro Habits
Wenn du tiefer ins Thema einsteigen möchtest, kann ich dir diese Ressourcen empfehlen:
Bücher:
- James Clear: „Die 1%-Methode – Minimale Veränderung, maximale Wirkung“ – DAS Standardwerk zu Micro Habits. Clear erklärt wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig super verständlich, wie winzige Gewohnheiten dein Leben verändern.
- BJ Fogg: „Tiny Habits – Die kleine Gewohnheit, die alles verändert“ – Der Stanford-Professor zeigt, wie du mit Mini-Gewohnheiten langfristige Veränderung schaffst.
Podcasts:
- „Psychologie to go“ mit Diplom-Psychologin Franca Cerutti – Besonders die Folgen zu Gewohnheiten und Selbstfürsorge sind gold wert.
- „Happy, holy & confident“ mit Laura Malina Seiler – Inspirierend zu Themen wie Selbstliebe, Mindset und persönliches Wachstum.
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Mach es auf deine Weise
Veränderung passiert nicht am 1. Januar, sondern jeden Tag und in deinem Tempo. Micro Habits sind kein Wundermittel, aber sie sind ein sanfter, nachhaltiger Weg. Ein Weg, der Selbstliebe statt Selbstkritik in den Mittelpunkt stellt.
Ob du dir Ziele setzt oder einfach beschließt, freundlicher mit dir zu sein: Alles darf, nichts muss.
Ich wünsche dir ein Jahr, das dir guttut – mit Raum zum Wachsen, Loslassen und gesund werden oder bleiben.
Fragen zum Nachdenken
– Was möchte ich in 2026 mehr spüren? (z. B. Leichtigkeit, Vertrauen, Freude, Ruhe)
– Welches eine Wort könnte mich dabei begleiten?
– Welche winzige Gewohnheit könnte ich ab morgen in meinen Alltag einbauen?
Möchtest du wissen, wie du wieder mehr Energie in deinen Alltag bringst? Hier findest du viele Tipps und eine Übung zum Erkennen deiner Energiegeber und Energieräuber.
